Vor und Nachteile für die Finanzwelt durch den Brexit

finanzenGeldanlagen in England unterliegen bisher – und auch bis zur Umsetzung – vollständig dem Rahmen des europäischen Rechts. Bankkunden haben den Vorteil einer nationalen Einlagensicherung und zusätzlich der Gültigkeit der europäischen Regelungen. Damit ist die Geldanlage – zumindest bis zur Abtrennung von der EU – beinahe genauso risikolos wie im Inland. Auch die Überweisungslaufzeiten sind im sogenannten SEPA-Raum harmonisiert. Eine Überweisung von Rosenheim nach München oder nach London wird schon am nächsten Tag gutgeschrieben, wenn sie auf elektronischem Weg übertragen worden ist.

Eine Kernfrage der Entwicklung für die Finanzen auf der Insel wird sein, wie weit denn England von der EU abrückt:

1.) Wird es ein assoziierter Drittstaat mit bevorrechtigtem Zugang zum Markt sein? Der praktisch nur aus der Nettozahlerposition und dem „Durchfüttern“ schwacher europäischer Mitgliedsstaaten ausscheidet und noch einen Teilzugang zum Binnenmarkt hat?

oder

2.) Wird Großbritannien den gleichen Status wie die bestimmte asiatische oder auch afrikanische Länder bekommen: Dies würde Zoll und Einfuhrumsatzsteuern für Waren aus Großbritannien bedeuten! Zudem dürften die Banken aus England nicht mehr ungehindert und ohne erneute Genehmigung in den Mitgliedsstaaten wie Deutschland tätig werden. Wprden also zumindest einen Teil der Kundenverbindungen verlieren.

Das Austreten aus dem eigentlichen Kerneuropa wird aber insbesondere den Börssenplatz London und die dort ansässigen Handelsabteilungen der Banken treffen. Keine Brexit Bewertung wäre deshalb komplett ohne die Warnung vor Einbußen in den nächsten drei bis vier Jahren.

2017 und 2018 werden für Europa und nicht nur Großbritannien entscheidende Jahre sein!

Andererseits werden wieder zunehmend Stimmen laut und Entwicklungen sichtbar, die die Brexit Bewertung in einem neuen Licht erscheinen lassen können: Die Politiker der europäischen Kernstaaten regulieren den Investmentbereich immer mehr, gerade erst wurde die Abgeltungsteuerfreiheit auf Altbestände in Fonds mit Kauf vor 2009 durch das sog. Investmentsteuerreformgesetz gekippt. Zudem bleiben die von manchen Branchenteilnehmern als ausufernd beschriebenen Beratungs- und Protokollierungspflichten für Geldanlagen erhalten.

Deshalb könnte es durchaus sein, dass sich neu geregelte Finanzen auf der Insel mit weniger Regulierung und zu beachtenden Gesetzen als Wettbewerbsvorteil entpuppen könnten. Family Offices von Inhabern großer Unternehmen und Investmentfonds könnten einen Ausweg aus der Regulierungsfalle suchen und gerade bei hohen Beständen in außereuropäischen Wertpapieren Frankfurt und dem Nachfolger des Noch-Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble den Rücken kehren. Insbesondere dann wenn Steuererhöhungen in Europa nicht ausgeschlossen werden und Großbritannien den Standortnachteil ein „Nicht-EU-Staat“ zu sein durch sinkende Steuern ausgleichen möchte.

Leider sind ganz verschiedene Entwicklungsszenarien möglich von denen sich noch keines als absolut wahrscheinlich herauskristallisiert hat. Letztendlich ist die gesamte europäische politische Landschaft und die Wirtschaft durch den für ausgeschlossen gehaltenen Brexit erschüttert worden.

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